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Kampf gegen die Spätfolgen

Messer unterstützt erstes Post-Covid-Zentrum in Ungarn. Ein Interview mit Dr. Emil Toldy-Schedel, Ärztlicher Direktor des Szent-Ferenc-Krankenhauses in Budapest.

Nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion entwickeln viele der betroffenen Menschen ein Post-Covid-Syndrom. Dabei handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild mit langwierigem Verlauf. Seine Behandlung stellt eine echte medizinische Herausforderung dar. Etwa 15 bis 40 Prozent der Covid-Ekrankten kämpfen mit Langzeitfolgen, allein in Ungarn sind es bis zu 100.000 Menschen. Für ihre Versorgung entstand am Szent-Ferenc-Krankenhaus in Budapest auf Initiative von Dr. Emil Toldy-Schedel das erste ungarische Post-Covid-Zentrum. Messer unterstützte den Aufbau mit 1,5 Millionen Forint, rund 50.000 Euro.

Die Schwerpunkte des Szent-Ferenc-Krankenhauses lagen bisher auf der internistischen und kardiologischen Versorgung. Wie kam es zur Gründung des Post-Covid-Zentrums?

Als unsere Klinik in die Regelversorgung von Covid-Patientinnen und Patienten einbezogen wurde, hat sich unser bisheriges Profil schlagartig verändert. Wir mussten Intensivkapazitäten aufbauen, mit 23 Intensivbetten sowie über 60 beatmungsfähigen Betten, mit entsprechenden Geräten und Spezialausrüstung.

Wir haben dann als erste Klinik in Ungarn die Post-Covid-Versorgung gestartet. Das brachte wiederum neue technische Anforderungen mit sich, unter anderem einen höheren Bedarf an medizinischen Gasen, von denen wir in der Post-Covid-Therapie etwa dreißigmal mehr benötigen als für unsere internistischen und kardiologischen Patientinnen und Patienten. Dieses Problem konnten wir durch unsere gute Zusammenarbeit mit Messer schnell lösen. Das Unternehmen hat die technische Ausstattung für die aufwendige Gasversorgung installiert und die sprunghaft gestiegene Gasemenge, die für die Post-Covid-Therapie gebraucht wird, sofort bereitgestellt. So konnten wir schnell reagieren. Mit unserem Fachpersonal, unserem Fachwissen und dem neuen Krankenhausgebäude haben wir nun die Möglichkeit, noch mehr Betroffenen eine multidisziplinäre Post-Covid-Rehabilitation anzubieten. Die Klinik mit 150 Betten kann sich in kürzester Zeit auf neue Anforderungen einstellen. Eine solche flexible Einrichtung wird sicher auch in Zukunft weiter zum Einsatz kommen.

Wie kamen Sie dazu, sich auf Post-Covid zu spezialisieren?

Seit April 2020 wissen wir, dass eine Corona-Erkrankung noch lange nicht überwunden sein muss, wenn man das Virus nicht mehr im Körper nachweisen kann. In der ersten Welle dachten alle noch, es handle sich dabei um eine Lungenkrankheit und damit um einen Fall für die Pneumologie. Wir als Kardiologen hatten da allerdings unsere Zweifel, da damals schon Auswirkungen auf das Herz bekannt waren.

Als die ersten Covid-Fälle zu uns kamen, haben wir die Nachsorge und Rehabilitation zunächst aus unseren vorhandenen Ressourcen heraus organisiert. Einige Patientinnen und Patienten benötigten später auch nach der Entlassung aufgrund von Spätfolgen weitere fachärztliche Versorgung. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits so tief im Thema, dass wir im Juni 2020 die erste fundierte Empfehlung für die Post-Covid-Versorgung abgegeben haben. Einen Großteil davon hat das öffentliche Gesundheitswesen übernommen. Daraus entstand die nationale Post-Covid-Leitlinie für die stationäre Behandlung. Wir arbeiten derzeit an einem Leitfaden für die ambulante Therapie. In den kommenden Wellen dürfte es in der Corona-Saison mehr ambulante Fälle geben, weil die Erkrankung bei Geimpften in der Regel nicht mehr schwer verläuft. Natürlich können Ungeimpfte schwerer erkranken, aber in solchen Fällen wissen wir schon ziemlich genau, welche Pflege erforderlich ist. Im ambulanten Bereich haben wir dagegen noch nicht so viel Erfahrung, insbesondere in der Nachsorgephase.

Wie verläuft die Behandlung bei Ihnen?

Wir können inzwischen ein multidisziplinäres Spezialistenteam vorweisen, in dem die Fachgebiete Pneumologie, Kardiologie, innere Medizin, Endokrinologie und Gastroenterologie vertreten sind. Wenn das Symptomspektrum es erfordert, können auch Psychiatrie, Psychologie, Ernährungsberatung und Physiotherapie in die Behandlung einbezogen werden. Unser Ansatz ermöglicht eine komplexe Post-Covid-Versorgung, die kaum eine andere Klinik leisten kann, stationär und ambulant, für Patientinnen und Patienten, die zum Beispiel nur ein Problem wie Haarausfall oder chronischen Husten haben. Unsere guten Erfahrungen haben wir natürlich mit Kolleginnen und Kollegen geteilt. Wir haben sogar ein Expertenteam zusammengestellt, um mit den Patientinnen und Patienten online zu kommunizieren. Mit der telemedizinischen Versorgung, unter anderem per Skype, haben wir letzten Sommer begonnen, das war damals völlig neu.

Wie können Sie das alles finanzieren?

Wir sind ein Krankenhaus mit kirchlichem Hintergrund, was uns mehr Freiheiten gibt als staatliche Einrichtungen sie haben, aber unsere Finanzierung ist viel unsicherer. Von staatlicher Seite sind nur die Kosten für die Grundversorgung gedeckt. Für alles, was darüber hinaus geht, müssen wir selbst Geldquellen erschließen. Den Aufbau und die Weiterentwicklung unserer Post-Covid-Klinik haben wir unter anderem mit Hilfe von privaten und Unternehmensspenden, Zuschüssen der Kirche und EU-Mitteln finanziert.

Wir wollen als nächstes von der Bereitstellung des Gases in Flaschen zu einer permanenten Versorgung aus einem stationären Tank wechseln. Damit erreichen wir eine größere Kapazität und Versorgungssicherheit sowie mehr Komfort in der Behandlung. Zudem wollen wir in der neuen Klinik die Voraussetzungen für eine Soforthilfeeinrichtung schaffen, die innerhalb von 72 Stunden bedarfsgerecht umgebaut werden kann.

Was sind die häufigsten Post-Covid-Symptome?

Man kann zwei Hauptgruppen von Symptomen unterscheiden: körperliche und psychische. Je intensiver wir Patientinnen und Patienten untersuchen, die Corona durchgemacht haben, desto größer ist der Anteil derjenigen mit Post-Covid-Symptomen. Zum körperlichen Symptomkomplex zählen Husten, Atemnot, Muskelschwund, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz, Erschöpfung, neu auftretender Diabetes, Schlafstörungen, Haarausfall, Blutbildanomalien und Nierenversagen. Psychiatrische Symptome sind zum Beispiel Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit bis zu Demenz, Schlafapnoe, Depression oder auch eine posttraumatische Belastungsstörung, die sich in der Regel drei bis fünf Monate nach der überstandenen Infektion entwickelt. Wir kennen jedes einzelne dieser Symptome, neu ist aber, dass sie bei Covid-Patienten gleichzeitig auftreten können. Eine Covid-Infektion löst eigentlich Entzündungsprozesse im Körper aus. Während die Virusvarianten Alpha und Beta noch am stärksten die Lunge befielen, trifft die Delta-Variante bereits das Herz und andere Organe, zum Beispiel das Gehirn. Auch viele Autoimmunerkrankungen können durch die Entzündungen im Körper ausgelöst werden.

Dr. Emil Toldy-Schedel ist Experte für die Post-Covid-Versorgung und Gründer des ersten Zentrums zur Behandlung von Post-Covid-Symptomen in Ungarn. Das Zentrum befindet sich im Szent-Ferenc-Krankenhaus in Budapest, dessen Ärztlicher Direktor er ist.

 

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